Norm EN ISO 20345 für Sicherheitsschuhe – Anforderungen und Prüfverfahren
Die internationale Norm EN ISO 20345:2022+A1:2024 legt die Mindestanforderungen an Sicherheitsschuhe für den professionellen Einsatz fest.
Wichtige Fakten zur Norm EN ISO 20345:2022+A1:2024
- legt die Mindestanforderungen an die Sicherheit von Schuhen für den professionellen Einsatz fest
- umfasst Kriterien wie Zehenschutz, Rutschhemmung, Durchtrittschutz und mehr
- 8 Klassifizierungsstufen: SB bis S7
- umfasst 18 optionale Schutzfunktionen (z. B. A, P, HRO, WP)
- ersetzt die ältere WRU-Kennzeichnung durch WPA und WR
- Rutschhemmung ist nunmehr in den allgemeinen Anforderungen enthalten
Verständnis der Norm EN ISO 20345:2022+A1:2024 für Sicherheitsschuhe
Gemäß dieser Norm zertifizierte Schuhe und Stiefel bieten zuverlässigen Schutz vor häufigen Gefahren am Arbeitsplatz, wie Stöße, Druck, Durchtritt, Ausrutschen und Wasserkontakt.
Es handelt sich um eine Aktualisierung der früheren Norm für Sicherheitsschuhe, EN ISO 20345:2012. Die aktualisierte Version enthält eindeutigere Klassifizierungen, verbesserte Prüfverfahren und neue Leistungskennzeichnungen, um den modernen Sicherheitsanforderungen in allen Branchen Rechnung tragen.
Bedeutung der Norm
- gewährleistet einheitliche Sicherheit an Arbeitsplätzen weltweit
- erleichtert die Auswahl konformer Schuhe
- verringert das Verletzungsrisiko durch häufige Gefahren
- unterstützt die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Versicherungsanforderungen
Erläuterung der Klassifizierungen von Sicherheitsschuhen
Die EN ISO 20345:2022+A1:2024 führt acht Klassifizierungen für Sicherheitsschuhe ein (SB bis S7), die jeweils einer bestimmten Kombination von Schutzfunktionen entsprechen. Mit ihrer Hilfe lässt sich der Schutzgrad eines Sicherheitsschuhs schnell erkennen.
Klassifizierungstabelle
Diese Klassen stehen für Kombinationen von Schutzfunktionen:
- SB: Zehenschutzkappe
- S1–S3: zusätzlich antistatische Eigenschaften, wasserabweisendes Obermaterial und Durchtrittschutz
- S4–S5: Polymerstiefel mit ähnlichen Merkmalen
- S6-S7: Wasserdichtheit des ganzen Schuhs (WR)
Tabelle zur Verdeutlichung der Klassifizierungen und der Prüfkriterien für die einzelnen Klassen:
| Klasse | Zehenschutzkappe | obligatorische Rutschhemmung | geschlossener Fersenbereich | A antistatische Eigenschaften |
E Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich |
P metallische Einlage Typ P |
PL nicht-metallische Einlage Typ PL |
PS nicht-metallische Einlage Typ PS |
WPA Beständigkeit des Oberteils gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme |
profilierte Laufsohle | WR Wasserdichtheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SB | • | • | |||||||||
| S1 | • | • | • | • | • | ||||||
| S1 P | • | • | • | • | • | • | |||||
| S1 PL | • | • | • | • | • | • | |||||
| S1 PS | • | • | • | • | • | • | |||||
| S2 | • | • | • | • | • | • | |||||
| S3 | • | • | • | • | • | • | • | • | |||
| S3L | • | • | • | • | • | • | • | • | |||
| S3S | • | • | • | • | • | • | • | • | |||
| S4 | • | • | • | • | • | ||||||
| S5 | • | • | • | • | • | • | • | ||||
| S5L | • | • | • | • | • | • | • | ||||
| S5S | • | • | • | • | • | • | • | ||||
| S6 | • | • | • | • | • | • | • | ||||
| S7 | • | • | • | • | • | • | • | • | • | ||
| S7L | • | • | • | • | • | • | • | • | • | ||
| S7S | • | • | • | • | • | • | • | • | • |
Rutschhemmung ist in allen Klassen vorgeschrieben
Die Rutschprüfung ist mittlerweile Bestandteil der Grundanforderungen für die Zertifizierung und wird daher nicht gesondert gekennzeichnet. Früher wurde sie mit SRA, SRB und SRC gekennzeichnet.
Zusätzlich zur Grundzertifizierung kann ein weiterer Rutschtest durchgeführt werden, der die Leistung des Schuhwerks auf öligen Oberflächen bewertet. Dieser wird mit SR (Slip Resistance – Rutschfestigkeit) gekennzeichnet.
Bei Schuhen mit speziellen Laufsohlenprofilen, wie etwa Stollen, die sich in der Praxis nur schwer oder gar nicht normgerecht prüfen lassen, kann der Schuh mit folgendem Symbol gekennzeichnet werden: Ø.
Bei den Prüfverfahren sollen realistische Verhältnisse imitiert werden, so werden beispielsweise alle Tests zur Rutschhemmung auf Keramikböden durchgeführt.
Durchtrittschutz
Die Norm präzisiert, aus welchem Material der Schutz besteht und wie groß der bei den Tests verwendete Nagel war. Ein geringerer Durchmesser bedeutet einen höheren Druck und damit höhere Anforderungen an den Schutz.
- P: Nageldurchtrittschutz aus Stahl, Durchmesser des Testnagels 4,5 mm.
- PL: „nicht-metallischer“ Nageldurchtrittschutz, Durchmesser des Testnagels 4,5 mm.
- PS: „nicht-metallischer“ Nageldurchtrittschutz, Durchmesser des Testnagels 3 mm.
Optionale zusätzliche Kennzeichnungen gemäß EN ISO 20345:2022+A1:2024
Jede Kennzeichnung steht für ein geprüftes und zertifiziertes Leistungsmerkmal. Die möglichen Zusatzanforderungen werden wie folgt dargestellt:

Erläuterung der optionalen Kennzeichnungen
| Kennzeichnung | Bedeutung |
|---|---|
| A | antistatische Schuhe |
| AN | Knöchelschutz |
| C | teilweise leitfähige Schuhe |
| CI | Kälteisolierung des Laufsohlenkomplexes |
| CR | Schnittfestigkeit |
| E | Energieaufnahme im Fersenbereich |
| FO | Kraftstoff- und Ölbeständigkeit der Laufsohle |
| HI | Wärmeisolierung des Laufsohlenkomplexes |
| HRO | Beständigkeit der Laufsohle gegenüber Kontaktwärme (getestet bei 300 °C) |
| I | elektrische Isolierung (dielektrisches Schuhwerk, das den Träger durch eine hohe elektrische Isolierung vor Stromschlägen schützt) |
| LG | Leitergrip |
| M | Mittelfußschutz |
| P | Durchstichfestigkeit (metallische Einlage Typ P) |
| PL | Durchstichfestigkeit (nicht-metallische Einlage) |
| PS | Durchstichfestigkeit (nicht-metallische Einlage) |
| SC | Abrieb der Überkappe |
| SR | Rutschhemmung (Keramikfliesenboden mit Glycerin) |
| WR | Wasserdichtheit des gesamten Schuhs (unter Druck getestet); in der Definition von S6 und S7 enthalten |
| WPA | Beständigkeit des Oberteils gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme |
So wählen Sie die richtigen Sicherheitsschuhe

- Bewerten Sie Ihre Arbeitsumgebung: Nass, trocken, kalt, heiß, elektrische Gefahren, scharfkantige oder spitze Objekte?
- Ermitteln Sie die Klassifizierung: Verwenden Sie SB–S7, um das richtige Basisschutzniveau zu finden.
- Achten Sie auf zusätzliche Kennzeichnungen: Wählen Sie je nach spezifischen Risiken zusätzliche Merkmale wie WP, CI oder HRO.
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