Norm EN 388 – Sicherheitshandschuhen zum Schutz vor mechanischen Risiken

Die europäische Norm EN 388 legt die Anforderungen zur Klassifizierung von Sicherheitshandschuhen gegen mechanische Risiken wie Abrieb, Schnitte, Risse, Stiche und Stöße fest. Sie bietet ein klares Bewertungssystem, das dabei hilft, Handschuhe mit dem richtigen Schutzniveau für die spezifischen Gefahren am jeweiligen Arbeitsplatz auszuwählen.

EN 388 – Bedeutung der Norm für Schutz- und Arbeitshandschuhe

Nicht alle Sicherheits- oder Arbeitshandschuhe eignen sich gleichermaßen für den Handschutz in industriellen Umgebungen. Die Norm EN 388 ist der Maßstab für die Bewertung der Leistungsfähigkeit von Schutzhandschuhen gegen mechanische Risiken und gewährleistet Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistung unter anspruchsvollen Arbeitsbedingungen.

Geltungsbereich der Norm EN 388

Die europäische Norm EN 388 dient der Klassifizierung der mechanischen Widerstandsfähigkeit von Schutzhandschuhen. Sie hilft Herstellern, Sicherheitsexperten und Benutzern, geeignete Handschuhe für die jeweilige Aufgabe zu finden, indem sie fünf wichtige Leistungsbereiche testet:

  • Abriebfestigkeit
  • Schnittfestigkeit (Coupe-Test)
  • Weiterreißfestigkeit
  • Durchstichfestigkeit
  • Schnittfestigkeit (TDM-Test)
  • Stoßschutz (optional)

Jeder nach EN 388 geprüfte Handschuh erhält einen Code, z. B. 4X43DP, wobei jedes Zeichen für eine Leistungsstufe in einer der oben genannten Kategorien steht.

So funktionieren die Prüfverfahren nach EN 388

 

Im Folgenden wird erläutert, wie eine EN 388-Kennzeichnung zu lesen ist und was mit den einzelnen Prüfverfahren gemessen wird:

EN 388 Explanation of pictogram values.jpg

a. Abriebfestigkeit (Leistungsstufe 0–4)

Bestimmung der Anzahl an benötigten Zyklen, um bei konstantem Druck und konstanter Bewegung mit Schmirgelpapier ein Loch in eine kreisförmige Probe des Handschuhmaterials zu reiben. Die höchste Leistungsstufe ist 4, was 8 000 oder mehr Zyklen entspricht.

Testing Abrasion Safety Gloves.jpg

b. Schnittfestigkeit – Coupe-Test (Leistungsstufe 0–5)

Bestimmung der Anzahl an benötigten Zyklen, die ein rotierendes Kreismesser mit einer gleichbleibenden Kraft benötigt, um den Handschuh durchzuschneiden. Das Testergebnis wird mit einem Referenzmaterial verglichen, um einen Indexwert zu erhalten. Die höchste Leistungsstufe ist 5, was einem Indexwert von 20 entspricht.

Testing Cut Protection Coup Safety Gloves.jpg

c. Weiterreißfestigkeit (Leistungsstufe 0–4)

Bestimmung der benötigten Kraft, um einen Riss in einer rechteckigen Probe eines Handschuhs mit einem beginnenden Einschnitt weiter zu reißen.

Testing Tear Safety Gloves.jpg

d. Durchstichfestigkeit (Leistungsstufe 0–4)

Bestimmung der benötigten Kraft, um den Handschuh mit einer Spitze in Standardgröße und bei einer bestimmten Geschwindigkeit (10 cm/min) zu durchstechen.

Schutzklasse 1 2 3 4 5
a) Abriebfestigkeit (Anz. Zyklen) 100 500 2000 8000  
b) Schnittfestigkeit (Index) 1,2 2,5 5,0 10,0 20,0
c) Weiterreißfestigkeit (N) 10 25 50 75  
d) Durchstichfestigkeit (N) 20 60 100 150  

Testing Puncture Safety Gloves.jpg

e. Schnittfestigkeit – TDM-Test (Leistungsstufe A-F)

Bestimmung der benötigten Kraft in Newton (N), um eine Probe mit einer rechteckigen Klinge in einer bestimmten Schnittprüfmaschine wie beispielsweise einem Tomodynamometer (TDM) durchzuschneiden. Dieser Test ist optional, es sei denn, die Klinge im Coupe-Test wird stumpf, dann wird er zum Bezugswert für Schnittfestigkeit.

Schutzklasse A B C D E F
e) Schnittfestigkeit (N) 2 5 10 15 22 30

Testing Cut Protection Safety Gloves.jpg

f. Stoßschutz (Leistungsstufe P oder keine Kennzeichnung)

Der Test zum Schutz gegen stoßartige Gefahren wird gemäß einer Norm für Schutzhandschuhe für Motorradfahrer, der EN 13594:2015, ausgeführt. Der geschützte Bereich wird getestet, allerdings kann der Bereich rund um die Finger aufgrund der begrenzten Fläche mit dieser Methode nicht getestet werden. Die Stoßkraft beträgt 5 J, und die übertragene Kraft muss der höchsten Stufe, in diesem Fall Stufe 1, mit einem Einzelergebnis von ≤ 9,0 kN und einer durchschnittlichen Kraft von ≤ 7,0 kN entsprechen.
„P“ bedeutet bestanden.

Schutzklasse P
f) Schutz gegen stoßartige Gefahren, EN 13594:2015 Bestanden (Stufe 1 ≤ 9,0 kN)

EN ISO 388  Impact test with Tegera Impact gloves.jpg

Häufig gestellte Fragen zur Norm EN 388

Was ist die Norm EN 388?

Die europäische Norm EN 388 legt die Anforderungen an Handschuhe zum Schutz vor mechanischen Risiken wie Abrieb, Schnitten, Rissen und Stichen fest.

Wie ist die Handschuhkennzeichnung gemäß EN 388 zu deuten?

Der EN-388-Code (z. B. 4X43DP) steht für Leistungsstufen in sechs Kategorien: Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit (Coupe-Test), Weiterreißfestigkeit, Durchstichfestigkeit, Schnittfestigkeit (TDM-Test) und Stoßschutz. Jeder Buchstabe oder jede Zahl entspricht einem bestimmten Testergebnis.

Was ist der Unterschied zwischen dem Coupe-Test und dem TDM-Test?

Beim Coupe-Test wird eine rotierende Klinge verwendet, um die Schnittfestigkeit zu messen, während beim TDM-Test eine gerade Klinge verwendet wird, um die Kraft zu messen, die zum Durchschneiden des Handschuhs erforderlich ist. Der TDM-Test liefert genauere Ergebnisse für Hochleistungsmaterialien.

Was bedeutet das „X“ in einer EN-388-Bewertung?

Ein „X“ bedeutet, dass der Test nicht durchgeführt wurde oder das Ergebnis nicht gültig war. Wenn beispielsweise der Coupe-Test aufgrund einer stumpfen Klinge unzuverlässig ist, wird er mit „X” gekennzeichnet und stattdessen das TDM-Testergebnis verwendet.

Was ist die höchste Schnittschutzklasse gemäß EN 388?

Die höchste Leistungsstufe im TDM-Schnittfestigkeitstest ist F, was bedeutet, dass der Handschuh einer Kraft von 30 Newton oder mehr standhalten kann.

Sind EN-388-Handschuhe für alle Branchen geeignet?

EN-388-Handschuhe sind für mechanische Risiken ausgelegt. Für den Schutz vor Chemikalien, Hitze oder Strom gelten andere Normen wie EN 374 oder EN 407.

Wie oft sollten EN-388-Handschuhe ersetzt werden?

Handschuhe sollten ersetzt werden, wenn sie Anzeichen von Verschleiß, Beschädigung oder verminderter Leistungsfähigkeit aufweisen. Befolgen Sie stets die Empfehlungen des Herstellers und führen Sie regelmäßige Inspektionen durch.

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