Norm EN 511 – Kälteschutz bei Sicherheitshandschuhen

Die europäische Norm EN 511 legt die Anforderungen und Prüfverfahren für Sicherheits- und Arbeitshandschuhe zum Schutz vor Kälterisiken fest. Sie gewährleistet, dass die Handschuhe in Umgebungen mit niedrigen Temperaturen eine zuverlässige Isolierung und Wasserbeständigkeit bieten und die Hände vor Erfrierungen und Leistungseinbußen schützen.

Geltungsbereich der Norm EN 511

Die Norm EN 511:2006 gilt für Sicherheits- und Arbeitshandschuhe, die in kalten Umgebungen verwendet werden, sei es aufgrund von Wetterbedingungen oder industriellen Prozessen. Sie bewertet drei wichtige Schutzeigenschaften:

  • Widerstand gegen Konvektionskälte – Schutz vor kalter Luft und Wind.
  • Widerstand gegen Kontaktkälte – Schutz beim Umgang mit kalten Gegenständen oder Oberflächen.
  • Widerstand gegen das Eindringen von Wasser – Fähigkeit, das Eindringen von Wasser in den Handschuh zu verhindern. Die Prüfung des Widerstands gegenüber der Permeation von Wasser wird bei Bedarf durchgeführt.

So funktioniert die Prüfung nach EN 511

EN ISO 511 Explanation of values.jpg

Die Norm enthält verschiedene Prüfkriterien. 

Handschuhe, die nach EN 511 zertifiziert sind, erhalten einen dreistelligen Code (z. B. EN 511: 231), wobei jede Ziffer die Leistung in einer der Prüfungen angibt:

Leistungsstufe 0 1 2 3 4
A. Konvektionskälte
(Wärmedämmung ITR/m²)
I < 0,10 0,10 ≤ I < 0,15 0,15 ≤ I < 0,22 0,22 ≤ I < 0,30 0,30 ≤ I
B. Kontaktkälte
(Wärmewiderstand R/m²)
R < 0,025 0,025 ≤ R 
< 0,050 0,050 ≤ R 
< 0,100 0,100 ≤ R 
< 0,150 0,150 ≤ R
C. Wasserbeständigkeit
(5 Min.)
Wasserdurchtritt Kein Wasserdurchtritt

A: Widerstand gegen Konvektionskälte (0–4)

Bestimmt, wie gut der Handschuh gegen kalte Luft und Wind isoliert. Höhere Zahlen bedeuten eine bessere Isolierung.

EN ISO 511 Convective Cold.jpg

Bei diesem Prüfverfahrem wird der Handschuh über eine elektrisch beheizte Hand gezogen und die Leistung gemessen, die erforderlich ist, um die Temperatur der Hand in einer kontrollierten Umgebung von -20 °C zwischen 30 °C und 35 °C zu halten. Je mehr Energie zur Aufrechterhaltung der Handtemperatur benötigt wird, desto geringer ist der Schutz gegenüber Konvektionskälte. Die höchste Schutzstufe ist 4.

B: Widerstand gegen Kontaktkälte (0–4)

Bestimmt, wie effektiv der Handschuh der Wärmeübertragung widersteht, wenn er in direkten Kontakt mit kalten Oberflächen kommt.

EN ISO 511 Contact Cold.jpg

Bei diesem Prüfverfahren wird eine Probe des Handschuhmaterials zwischen zwei Metallplatten mit unterschiedlichen Temperaturen platziert. Der Temperaturabfall der Probe wird gemessen und anschließend zur Berechnung des Wärmewiderstands (R) verwendet. Ein höherer R-Wert bedeutet eine bessere Isolierung gegen Kälte, die höchste Schutzstufe ist 4.

C: Widerstand gegen das Eindringen von Wasser (0 oder 1)

Gibt an, ob innerhalb von 5 Minuten Wasser in den Handschuh eindringt. Der Test wird mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet.

EN ISO 511 Water Pentetration Resistance.jpg

Um die Wasserbeständigkeit zu bestimmen, wird der Handschuh 5 Minuten lang in Wasser getaucht. Wenn kein Wasser in den Handschuh eindringt, besteht er den Test und wird mit Stufe 1 bewertet. Handschuhe, die das Prüfverfahren nicht bestehen, werden mit Stufe 0 bewertet. Ein „X“ gibt an, dass der Handschuh nicht getestet wurde

0 = Wasserdurchtritt
1 = kein Wasserdurchtritt

Beispiel für die Interpretation eines Testergebnisses nach EN 511

Beispiel Ergebnis EN 511: 231

2 = mäßiger Schutz gegen Konvektionskälte
3 = hoher Schutz gegen Kontaktkälte
1 = wasserdicht für mindestens 5 Minuten

Bedeutung der Norm EN 511

  • Sicherheit unter extremen Bedingungen: verhindert Erfrierungen und kältebedingte Verletzungen in rauen Umgebungen
  • Leistung und Komfort: erhält Fingerfertigkeit und Griffigkeit auch bei eisigen Temperaturen aufrecht
  • Konformität und Qualitätssicherung: zertifizierte Handschuhe erfüllen die Anforderungen der europäischen PSA-Verordnung (EU) 2016/425

Typische Anwendungsbereiche und Branchen

So wählen Sie die richtigen EN-511-Handschuhe

  • Für Arbeiten im Freien bei Wind und Schnee: Achten Sie auf einen hohen Widerstand gegen Konvektionskälte (Stufe 3–4).
  • Für den Umgang mit gefrorenen Materialien: Achten Sie vorrangig auf einen hohen Widerstand gegen Kontaktkälte (Stufe 3-4).
  • Für nasse Bedingungen: Achten Sie darauf, dass der Widerstand gegen das Eindringen von Wasser = 1 ist.

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